Das Pflegegeld in Österreich unterstützt Menschen, die dauerhaft auf Betreuung angewiesen sind. Doch die passende Einstufung in eine Pflegestufe zu erhalten, kann herausfordernd sein. Häufig liegt das Problem nicht im tatsächlichen Pflegebedarf – sondern in der fehlenden Dokumentation.
Gutachter*innen der PVA oder anderer Versicherungsträger orientieren sich an:
- Ihren Angaben sowie jenen der Hauptpflegeperson
- medizinischen Befunden
- Beobachtungen bei der Begutachtung
- nachvollziehbarer Aufzeichnung des Pflegeaufwands
Ohne strukturierte Pflegedokumentation bleibt vieles unsichtbar – und es kommt oft zu einer zu niedrigen Einstufung.
Wie Sie den Pflegebedarf richtig dokumentieren
Eine kontinuierliche, strukturierte Dokumentation macht den tatsächlichen Aufwand sichtbar. Besonders hilfreich ist ein Pflegetagebuch – mindestens über 4 Wochen.
Was sollte täglich festgehalten werden?
- Körperpflege: Was genau? Wie lange? Wie selbstständig?
- Mobilität: Transfer, Sturzgefahr, Gehen nur mit Unterstützung?
- Ernährung: Hilfe beim Essen & Trinken, besondere Diäten?
- Medizinische Tätigkeiten: Verbände, Medikamente, Insulin etc.
- Nächtliche Betreuung: Aufstehen, Inkontinenz, Unruhe
- Pflege bei Demenz: Beaufsichtigung, Orientierungslosigkeit, Weglauftendenz
- Zeitaufwand: Jede Tätigkeit möglichst in Minuten notieren
Tipp: Kleine Handlungen summieren sich! Alles notieren, auch wenn es nur wenige Minuten dauert.
Vorbereitung auf die Begutachtung der PVA
Damit kein Pflegebedarf vergessen wird:
- alle Befunde sammeln (neurologische, geriatrische, psychiatrische etc.)
- Hilfsmittel dokumentieren (Rollator, Pflegebett, Orthesen …)
- typische Schwierigkeiten im Alltag notieren
- auch
- Belastungen erwähnen (z. B. gute vs. schlechte Tage)
Tipp: Beim Termin die Realität zeigen – kein „Zusammenreißen“ aus Höflichkeit.
Wenn möglich sollte eine Person, die im Alltag unterstützt, beim Termin anwesend sein.
Kriterien der Pflegestufen richtig verstehen
Für die Einstufung wird der monatliche Pflegeaufwand in Stunden berechnet:
- Stufe 1 beginnt ab 65 Stunden/Monat
- Stufe 7 bei vollständigem Verlust zielgerichteter Extremitätenbewegung
Zusätzliche Kriterien wie dauernde Pflegebedürftigkeit oder besondere Belastungen können zu höheren Stufen führen. Mehr erfahren zu den 7 Pflegestufen
Tipp: Informieren Sie sich frühzeitig über die Voraussetzungen, das hilft bei einer realistischen Einschätzung.
Unterstützung holen – wenn der Aufwand zu groß wird
Die Dokumentation kostet Zeit und Kraft. Viele Angehörige fühlen sich zusätzlich belastet. In solchen Fällen kann professionelle Unterstützung helfen – beispielsweise durch diplomierte Pflegefachpersonen wie jene von Pflegeheldinnen, die sich auf Pflegetagebücher, Vorbereitung der Begutachtung und fachliche Einschätzungen spezialisieren.
Sie sorgen dafür, dass die tatsächliche Pflege sichtbar wird – ohne Mehraufwand für Angehörige.
Fazit: Bessere Chancen auf die richtige Pflegestufe
Eine faire Einstufung ist möglich, wenn:
- der Pflegealltag realistisch dokumentiert wird
- medizinische Unterlagen vollständig vorliegen
- beim Gutachten alles offen kommuniziert wird
- bei Bedarf professionelle Beratung hinzugezogen wird
Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.
Jede Stunde in der Pflege zählt – und sollte auch anerkannt werden.


